Was sind Tenside?

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Was sind Tenside?

Borek Wissen · Reinigungschemie

Wie Tenside Wasser beim Reinigen helfen

Tenside sind waschaktive, grenzflächenaktive Stoffe. Sie senken die Oberflächenspannung des Wassers und unterstützen das Ablösen von Schmutz. Deshalb gehören sie zu den wichtigen Bestandteilen vieler Wasch-, Spül- und Reinigungsmittel.

Beim Spülen eines fettigen Tellers wird ihre Aufgabe deutlich: Wasser allein benetzt die fettige Fläche schlecht. Tenside helfen, den Fettfilm zu lösen und fein im Wasser zu verteilen. Anschließend wird die Schmutzlösung entfernt.

Ein Molekül. Zwei Eigenschaften.

Vereinfachtes Tensidmolekül mit wasserliebendem Kopf links und fettliebendem Teil rechts
Wasserliebender KopfHydrophil: Dieser Teil richtet sich zum Wasser hin aus.
Fettliebender TeilLipophil und hydrophob: Dieser Teil hat eine Affinität zu Fett und meidet Wasser.
Vereinfachtes Schema: Die beiden Teile erklären, warum Tenside zwischen Wasser und fettigem Schmutz vermitteln können.

Den Reinigungsvorgang verstehen

Wie funktionieren Tenside?

Die wasserliebenden und fettliebenden Molekülteile wirken zusammen. Vereinfacht lässt sich die Reinigung in drei Schritte gliedern:

1

Die Oberfläche benetzen

Tenside senken die Oberflächenspannung des Wassers. Die Reinigungslösung kann sich dadurch besser auf vielen Oberflächen verteilen und mit der Verschmutzung in Kontakt kommen.

2

Fett und Schmutz ablösen

Die fettliebenden Teile lagern sich an fettige Verschmutzungen an. Zusammen mit der passenden Bewegung durch Tuch, Bürste oder Maschine unterstützt das die Ablösung.

3

Gelösten Schmutz entfernen

Tenside helfen, abgelöste Bestandteile in der Reinigungslösung verteilt zu halten. Diese wird anschließend mit sauberen Arbeitsmitteln aufgenommen oder materialgerecht abgespült.

Was sind Mizellen? Ab einer bestimmten Konzentration können Tenside in Wasser kleine Verbände bilden. Dabei zeigen die wasserliebenden Köpfe nach außen und die fettliebenden Teile nach innen. Solche Strukturen können fettartige Stoffe im Inneren aufnehmen. Das ist ein Teil der Tensidwirkung, aber nicht der gesamte Reinigungsvorgang.

Vier Gruppen im Überblick

Welche Tensidarten gibt es?

Die Einteilung richtet sich nach der elektrischen Ladung des wasserliebenden Molekülteils. In fertigen Reinigungsmitteln werden häufig mehrere Tensidarten kombiniert.

Negativ geladen

Anionische Tenside

Sie werden häufig als waschaktive Bestandteile in Waschmitteln und Handspülmitteln verwendet. Auch klassische Seifen zählen zu dieser Gruppe.

Ohne elektrische Ladung

Nichtionische Tenside

Sie werden unter anderem zur Entfernung fettiger Verschmutzungen eingesetzt. Je nach Aufbau eignen sich bestimmte Varianten auch für schaumarme Reinigungsprodukte.

Positiv geladen

Kationische Tenside

Bekannte Anwendungen sind Weichspüler und antistatische Produkte. Bestimmte Vertreter haben eine biozide Wirkung. Nicht jedes kationische Tensid ist deshalb automatisch ein Desinfektionsmittel.

Positive und negative Gruppen

Amphotere Tenside

Sie besitzen unterschiedlich geladene beziehungsweise ladungsfähige Gruppen. Ihr Ladungszustand kann vom pH-Wert abhängen. Sie kommen beispielsweise in Handspülmitteln und Körperreinigungsprodukten vor.

Bedeutung für die Gebäudereinigung

Was ist bei der Anwendung wichtig?

Die Tensidgruppe allein sagt noch nicht, ob ein Produkt für einen Boden, eine Glasfläche oder einen Sanitärbereich geeignet ist. Entscheidend sind die gesamte Rezeptur, die Oberfläche und das Verfahren.

Material und Schmutz beachten

Wählen Sie einen für die Oberfläche freigegebenen Reiniger. Tenside ersetzen weder eine Prüfung des Werkstoffs noch die gezielte Behandlung besonderer Ablagerungen.

Richtig dosieren

Beachten Sie die Herstellerangaben zu Konzentration, Temperatur und Anwendung. Überdosierung verbraucht unnötig Produkt und kann Rückstände oder zusätzliche Schaumbildung verursachen.

Verfahren abstimmen

Für Reinigungsmaschinen ist die ausdrücklich angegebene Maschineneignung wichtig. Halten Sie außerdem Tücher, Bezüge und Reinigungslösung sauber, damit gelöster Schmutz aufgenommen wird.

Zum Zusammenspiel von Zeit, Mechanik, Chemie und Temperatur: Die vier Reinigungsfaktoren nach Sinner →

Kurz beantwortet

Häufige Fragen zu Tensiden

Ist viel Schaum ein Zeichen für eine gute Reinigung?

Die Schaummenge allein zeigt nicht, wie gut ein Produkt reinigt. Es gibt wirksame schaumarme Rezepturen, beispielsweise für maschinelle Anwendungen. Wichtig ist, dass das Produkt zum vorgesehenen Verfahren passt.

Entfernen Tenside auch Kalk?

Tenside unterstützen die Benetzung und Schmutzablösung. Für Kalkablagerungen braucht ein Reiniger meist weitere, gezielt wirkende Bestandteile. Welche Mittel infrage kommen, hängt besonders von der Säurebeständigkeit der Oberfläche ab.

Sind Tenside und Seife dasselbe?

Seifen gehören zu den anionischen Tensiden. Der Begriff Tenside umfasst jedoch viele weitere Stoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften. Deshalb ist nicht jedes tensidhaltige Reinigungsmittel eine Seife.

Was bedeutet biologisch abbaubar?

Der Begriff beschreibt, dass Mikroorganismen einen Stoff unter bestimmten Bedingungen abbauen können. Daraus folgt nicht, dass ein Reinigungsmittel in beliebiger Menge umweltverträglich ist. Eine bedarfsgerechte Dosierung vermeidet unnötige Einträge ins Abwasser.

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Fachliche Quellen: Grundlagen und Anwendungen erläutert der IKW: Tenside in Wasch- und Reinigungsmitteln. Weitere Informationen bieten das Umweltbundesamt: Inhaltsstoffe und Dr. Weigert: Tenside.

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